Hinterlüftung

Der Wärmeschutz von Bauteilen wird durch Dämmung realisiert. der Feuchtschutz ist hingegen konstruktiv unterschiedlich.

Neben der luftdichten Ebene, die den Feuchtigkeitseintritt in das Bauteil reduziert, wird nach außen hin immer diffusionsoffener gebaut, damit Feuchtigkeit wieder austreten kann.

 

Bauteile können Luftschichten enthalten. Die Funktion dieser Luftschichten kann sowohl dem Wärmeschutz, als auch dem Feuchteschutz dienen. Je nachdem, wie bewegt diese Luftschicht ist.

 

 

Wärmeschutz von Luftschichten

 

Man unterteilt in der Bauphysik drei Arten von Luftschichten: Ruhende, schwach und stark bewegte Luftschichten.

 

Ruhende Luftschichten haben im Wärmeschutz eine Dämmwirkung. Dabei lässt sich ab einer Erhöhung der Dicke der Luftschicht über 4 cm keine wesentliche Erhöhung der Dämmwirkung mehr erreichen. Nimmt man also eine Luftschicht von 4cm oder größer an, was im Bestand häufig durch das Weglassen einer Ziegelbreite (11,5cm im Normalformat) der Fall ist, ergibt sich ein Wärmeleitwiderstand von ca. 0,18 m²K/W. Im folgenden sind die U - Werte von einer zweischaligen Klinkerwwand mit ruhender Luftschicht und einer durch eine Sanierung ausgeblasenen Klinkerwand verglichen:

 

- U mit ruhender Luftschicht ~ 1,5 W/m²K

- U kerngedämmt mit WLG 035 ~ 0,5 W/m²K

 

Schwach belüftete Luftschichten sind nach DIN EN ISO 6946 definiert als Luftschichten (hier senkrecht), bei denen pro umlaufender Meter eine Öffnungsfläche von 500 mm² - 1500 mm² azfweist. Man kann eine offene Fuge zwischen zwei Klinkern mit ungefähr 500 mm² annehmen. Bei 1 - 3 offenen Fugen pro Meter wird also von schwach belüfteter Luftschicht ausgegangen. Im Wärmeschutz wird die Dämmwirkung mit der Hälfte einer ruhenden Luftschicht angenommen.

 

Stark belüftete Luftschichten haben mehr als 1500 mm² Öffnungsfläche, also mehr als 3 Fugen pro Meter. Im Wärmeschutz geht man dann davon aus, dass kein Wärmeschutz mehr besteht. Die Gebäudehülle hört dann an der Grenze zur Luftschicht auf.

 

Die Dämmwirkung von Luftschichten reicht also von nicht vorhanden (stark belüftet) bis deutlich unterhalb der von einer Dämmschicht (ruhende Luftschicht). Warum ist dann im Bestand so häufig mit Luftschichten gebaut worden und welche Vorteile lassen sich auch für den modernen Wärmeschutz ableiten?

 

 

Feuchteschutz von Luftschichten

 

Der Ausfall von Tauwasser in feuchter Luft passiert bei Unterschreiten einer bestimmten Temperatur, der Taupunkttemperatur.

In einer Dämmebene ist die Luft nur sehr schwach bewegt. Der Ausfall von Wasser passiert in der Dämmebene, also im Bauteil. das ausgefallene Wasser muss wieder abtransportiert werden, was durch kontruktive Maßnahmen, wie eine Drainage am Fußpunkt der Dämmebene, erreicht werden. Eine andere Möglichkeit sind ausreichende Verdunstungsphasen während des Sommers. Bei allen kerngedämmten Bauteilen ist die konstruktive Ausführung eben so.

In einer Luftschicht ist die Luft immer bewegt durch natürliche oder erzwungene Konvektion. Natürliche Konvektion (Ruhende Luftschicht) passiert aufgrund von Temperatur- und damit verbundenen Dichteänderungen. Erzwungene Konvektion (schwach und stark belüftete Luftschichten) wird durch äußere Einflüsse angetrieben und führt häufig zu deutlich mehr Luftbewegung.

In einer Luftschicht wird also Tauwasser an vorzugsweise an den kältesten Oberflächen stattfinden. Und das ist im zweischaligen Mauerwerk die Innenseite der Außenschale, also im Beispiel oben der äußeren Klinker. Vorteilhaft bei diesem Tauwasserausfall ist, dass das Wasser sehr gut wieder abtransportiert werden kann. Es läuft die Wand hinunter und nach außen oder in das Erdreich geleitet.

 

// Bild: Tauwasserausfall zweischaliges MW mit und ohne Hinterlüftung //

 

Grundsätzlich ist der Feuchtabtransport bei Hinterlüftung oder ruhenden Luftschicht viel besser kontrollierbar, der Wärmeschutz aber nicht so leistungsfähig wie der einer Kerndämmung.

 

Für jedes Bauteil sollte der Planende daher die folgenden Aspekte prüfen, um am Ende zu entscheiden, ob eine Hinterlüftung sinnvoll ist, und wie genau diese am besten ausgeführt werden kann:

 

- Ort und Menge des Tauwasserausfall

- Maßnahmen, um den Tauswasserausfall zu reduzieren (z.B. Dampfsperre)

- Menge der Verdunstung in den Verdunstungsphasen (Sommer)

- Möglichkeiten des Abtransports

 

Auch in modernen Gebäuden kann eine Hinterlüftung in Frage kommen. Eine Außenwandkonstruktion, bei der auch in modernen Gebäuden beispielsweise mit Hinterlüftung gearbeitet wird, ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF).

 

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© Christoph Mevenkamp